Ätherische Öle und Konzentration bei Kindern: Was beim Lernen wirklich helfen kann – und was nicht
Aktualisiert: 27. Sept.
Wer mich kennt, weiß: Ich mag ätherische Öle gerade deshalb, weil sie im Alltag so unaufgeregt funktionieren. In diesem Blogartikel geht es um ein Thema, das im Herbst sooft wie kaum ein anderes an mich herangetragen wird.
Zuerst kommen die Eltern. Die ersten Schulwochen sind vorbei, der Alltag hat sich eingestellt – und mit ihm die Hausaufgaben, die Lernzeiten und die Diskussion darüber, wie lange man eigentlich noch am Schreibtisch sitzen muss. Ein paar Wochen später kommen die Studierenden dazu, wenn das Semester an der Uni losgeht.
Die Frage ist in beiden Fällen dieselbe: Gibt es ein Öl, mit dem man sich besser konzentrieren kann? Zitrone, Pfefferminze und Rosmarin gehören dabei zu den Klassikern.
Können Düfte aber tatsächlich beim Lernen helfen?
Die kurze Antwort: Sie können eine Lernumgebung sinnvoll begleiten. Ein ätherisches Öl ist aber kein Konzentrationsschalter, den man umlegt und plötzlich geht alles ganz easy.
Düfte können aber auf verschiedene Weise Teil eines Lernrituals werden – manche wirken frisch und aktivierend, andere schaffen Ruhe. Ein bestimmter Duft kann den Beginn der Lernzeit markieren und Gerüche können als Kontextreize mit Erinnerungen verknüpft werden.
Warum Düfte beim Lernen überhaupt eine Rolle spielen
Unser Geruchssinn hat eine besondere Verbindung zum Gehirn. Gerüche werden nicht nur als „riecht gut" oder „riecht schlecht" verarbeitet, sondern mit Emotionen, Erfahrungen und Erinnerungen verknüpft. Das kennen die meisten: Ein Geruch taucht auf und plötzlich ist eine Erinnerung da, an die man seit Jahren nicht gedacht hat.
Düfte beeinflussen außerdem, wie wir eine Umgebung erleben. Ein Geruch kann angenehm, beruhigend, frisch oder anregend sein – oder genau das Gegenteil.
Und das ist beim Lernen wichtig. Denn Konzentration hängt nicht nur davon ab, was gelernt wird. Müdigkeit, innere Unruhe, Stress, Motivation und die Lernumgebung spielen mit. Genau dort sehe ich die Stärke ätherischer Öle: nicht als Ersatz für Schlaf, Pausen oder eine gute Lernstruktur, sondern als bewusst gestalteten Teil der Lernumgebung.
Können ätherische Öle die Konzentration fördern?
Dazu gibt es bereits einiges an Forschung. Sie ist aber leider widersprüchlicher, als man erwarten würde.
In einer randomisierten Untersuchung mit 144 gesunden Erwachsenen wurden Pfefferminze, Ylang-Ylang und eine Kontrollbedingung verglichen. Unter Pfefferminzduft zeigten sich bessere Werte bei bestimmten Gedächtnisleistungen, und die Teilnehmer fühlten sich wacher.
Ylang-Ylang erhöhte die subjektiv empfundene Ruhe. Gleichzeitig schnitten dieselben Teilnehmer bei der Gedächtnisleistung schlechter ab und arbeiteten langsamer.
Ruhiger bedeutet also nicht automatisch aufnahmefähiger.
Beim Thema Konzentration wird ganz gerne übersehen: Es gibt nicht den einen idealen Zustand zum Lernen. Wer müde vor seinen Unterlagen sitzt, braucht etwas anderes als jemand, der nach einem langen Schultag völlig aufgedreht am Schreibtisch ist.
Deshalb halte ich wenig von Sätzen wie „dieses Öl macht konzentriert". Die brauchbarere Frage ist: Was braucht das Kind gerade, um lernen zu können?
Pfefferminze: frisch und aktivierend – aber nicht für kleine Kinder
Pfefferminze ist der bekannteste Duft, wenn es um geistige Wachheit geht - und für mich überhaupt ein ganz besonderes Öl, wenn du mehr darüber erfahren willst warum, schau dir doch meinen Artikel an wie mich die Pfefferminze zur Aromatherapie gebracht hat.
Ihr mentholhaltiger Geruch ist klar, kühl und nicht zu überhören – die meisten beschreiben ihn als ausgesprochen frisch.
Auch in Untersuchungen zu Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Wachheit taucht Pfefferminze immer wieder auf. In der oben erwähnten Studie zeigten sich unter Pfefferminzduft bessere Werte bei bestimmten Gedächtnisleistungen und eine höhere subjektive Wachheit.
Damit ist die Sache aber nicht erledigt. Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsarbeit hat die bisherigen Studien zu Pfefferminze, Kognition und Aufmerksamkeit zusammengetragen und dabei erhebliche Unterschiede zwischen ihnen festgestellt – in Dosierung, Dauer und Messmethode. Eine allgemeingültige Aussage lässt sich daraus nicht ableiten.
Für mich heißt das nicht, Pfefferminze abzuschreiben. Es heißt: Pfefferminze ist ein klarer, wachmachender Duft für bestimmte Situationen – aber ein paar Tropfen machen aus einem müden Kind kein konzentriertes.
Wichtig, und deshalb gleich hier: Bei Babys unter zwei Jahren hat Pfefferminzöl nichts zu suchen, und bei Kindern unter sechs setze ich es auch eher nicht ein. Ausführlich habe ich das in meinem Artikel über Pfefferminzöl bei Kopfschmerzen und Migräne beschrieben – dort geht es auch um Asthma und die übrigen Gegenanzeigen.
Zitrone: Frische für den Schreibtisch
Zitrusdüfte sind für mich die unkomplizierteste Möglichkeit, eine Lernumgebung leicht und frisch zu halten. Zitrone verbinden die meisten mit Frische, Sauberkeit und Klarheit. Sie wird praktisch von allen gemocht – bei Kindern kein kleiner Vorteil. Wie ich Zitrone übrigens an heißen Tagen einsetze, habe ich hier beschrieben.
Gerade wenn nach einem langen Schultag noch Hausaufgaben anstehen, hilft ein Duft, einen bewussten Übergang zu setzen: Jetzt beginnt die Lernzeit.
Wir müssen nicht jede sinnvolle Anwendung auf einen einzelnen Inhaltsstoff und eine einzelne Gehirnleistung zurückführen. Gerüche sind Teil der Umgebung, und unser Gehirn verbindet sie mit Situationen.
Ein Zitronenduft am Schreibtisch kann deshalb Bestandteil eines wiederkehrenden Ablaufs sein: Arbeitsplatz vorbereiten, kurz lüften, alles Ablenkende weglegen, Duft einsetzen – und beginnen. Wenn das Kind den Geruch mag, entsteht mit der Zeit eine vertraute Lernumgebung.
Ein Hinweis zu Zitrusölen: Direkt auf die Haut aufgetragen, können sie diese lichtempfindlicher machen. In der Raumluft ist das allerdings kein Thema.
Rosmarin: eine Studie mit Schulkindern
Bei fast allem, was man zu Duft und Gedächtnis liest, wurde an Erwachsenen geforscht. Bei Rosmarin gibt es eine Ausnahme.
Eine Forschungsgruppe um den Psychologen Mark Moss untersuchte 40 Kinder im Alter von neun bis elf Jahren. Die Kinder absolvierten standardisierte Aufgaben zum Arbeitsgedächtnis – entweder in einem Raum mit Rosmarinaroma oder in einem Raum ohne. Bei mehreren dieser Aufgaben schnitten die Kinder in der Rosmarin-Bedingung besser ab; beim unmittelbaren Nachsprechen von Wortreihen war der Unterschied am größten.
Zur Einordnung: Das sind 40 Kinder und eine einzelne Studie. Bei zwei der fünf Aufgaben gab es keinen Unterschied. Als Beweis, dass Rosmarinduft die schulische Leistung verbessert, reicht das nicht.
Ich mache Rosmarin deshalb nicht zum „Gedächtnis-Booster". Aber es ist ein Hinweis, den ich ernst nehme.
Für die Praxis ist daher Rosmarin ein kräftiger, anregender Duft, der zu einer Lernumgebung passen kann. Zwei Dinge sind dabei wichtig:
Die Sorte. Rosmarin gibt es in mehreren Varianten, den sogenannten Chemotypen. Auf dem Etikett sollte „Cineol" stehen – die campherreiche spanische Variante ist für Kinder nicht geeignet.
Der Geruch kann strenger sein. Viele Kinder finden ihn zunächst ungewohnt oder es erinnert sie an Erkältungsgerüche.
Der beste Duft ist nicht der, über den die auffälligste Studie existiert, sondern jener, der auch gerne vom Kind eingesetzt wird. Wenn ein Kind Rosmarin nicht mag, entsteht daraus kein angenehmes Lernritual.
Lavendel: wenn Unruhe das eigentliche Problem ist
Lavendel klingt zunächst wie das Gegenteil eines Konzentrationsduftes. Und gerade darum gehört er hierher.
Nicht jedes Konzentrationsproblem kommt von Müdigkeit. Manche Kinder kommen nach einem langen Schultag heim und sind innerlich noch völlig aufgedreht. Andere sind vor einer Schularbeit nervös oder setzen sich selbst unter Druck. Da hilft es nicht, noch mehr Aktivierung in den Raum zu bringen – dann ist eine ruhigere Lernumgebung der sinnvollere Weg und hierbei ist oft Lavendelöl eine gute Wahl.
Gleichzeitig zeigt die Ylang-Ylang-Untersuchung von oben, warum „möglichst entspannt" auch nicht das alleinige Ziel ist: Mehr empfundene Ruhe ging dort nicht mit besserer Leistung einher.
Deshalb arbeite ich lieber individuell als nach Listen. Die Frage ist nicht nur: Welches Öl ist für Konzentration? Sondern: Was steht der Konzentration gerade im Weg?
Ist es Müdigkeit? Ablenkung? Stress? Innere Unruhe? Oder schlicht die Tatsache, dass nach sieben Stunden Schule eine Pause sinnvoller wäre als noch eine Stunde Lernen?
Das Ritual ist wichtiger als die perfekte Mischung
Kinder profitieren von wiederkehrenden Abläufen. Ein bestimmter Platz, eine bestimmte Zeit, ein kleines Ritual – all das signalisiert: Jetzt beginnt die Lernphase.
Duft lässt sich gut in so einen Ablauf einbauen. Nach der Schule gibt es zuerst bewusst eine Pause. Danach wird gelüftet, der Schreibtisch vorbereitet und für die Lernphase ein vertrauter Duft eingesetzt. Nach dem Lernen wird die Beduftung beendet.
Mit der Zeit wird der Duft selbst Teil des Rituals. Und damit kommen wir zu dem Bereich, der mich an diesem Thema am meisten beschäftigt.
🌿 Aroma-Tipp to go Lass dein Kind den Lernduft selbst aussuchen So geht's: Stell zwei oder drei Fläschchen hin, lass dein Kind daran riechen und entscheiden. Dann bleibt ihr bei diesem einen Duft. Mein Tipp: Ein Duft, den das Kind selbst gewählt hat, wird ganz anders angenommen als einer, der ihm hingestellt wird. |
Kann ein Duft beim Erinnern helfen?
Gerüche können als Kontextreize funktionieren. Vereinfacht gesagt: Unser Gehirn speichert Informationen nicht völlig losgelöst von der Situation, in der wir sie aufgenommen haben. Teile der Umgebung können später Hinweise liefern, die den Abruf erleichtern.
Also wurde untersucht, was passiert, wenn Menschen etwas in Anwesenheit eines bestimmten Geruchs lernen und beim späteren Abruf derselbe Geruch wieder da ist. Tatsächlich zeigten sich kontextabhängige Gedächtniseffekte.
In einer Untersuchung mit 95 Personen konnte ein Geruch als Kontextreiz beim Erinnern eines zuvor gelernten Textes eine Rolle spielen. Eine Arbeit aus 2022 fand einen Vorteil beim freien Wiedergeben einer Geschichte, wenn der Geruchskontext beim Abruf wiederhergestellt wurde – allerdings nicht bei allen untersuchten Aufgabentypen.
Das heißt natürlich nicht: Zitrone riechen + Vokabel lernen = in der Prüfung die richtige Antwort. Aber es ist eine brauchbarere Perspektive auf Duft und Lernen als die Suche nach dem einen Konzentrationsöl und ein Hinweis darauf, dass Düfte das Lernen unterstützen können.
Kann man einen Duft bewusst mit dem Lernen verbinden? Und was passiert, wenn derselbe Duft später wieder eingesetzt wird? Genau darum geht es im vierten Teil dieser Reihe: um den Duftanker.
So setze ich Duft beim Lernen ein
Dezent, angenehm und bewusst. Ein Lernzimmer muss nicht so stark riechen, dass man den Duft schon im Vorzimmer wahrnimmt – bei der Raumbeduftung ist mehr nicht besser.
Ich wähle einen Duft, den das Kind gerne riecht, und verbinde ihn gezielt mit der Lernphase. Je nach Situation ist das vielleicht ein frischer Zitrusduft; bei einem müden älteren Schulkind eher etwas Aktivierendes wie Pfefferminze; bei einem Kind, das nach der Schule erst zur Ruhe kommen muss, eine sanftere Begleitung zum Beispiel mit Lavendel.
Am praktischsten finde ich dafür einen Duftstein. Er beduftet lokal und zurückhaltend, direkt am Lernplatz – das restliche Zimmer bleibt weitgehend duftfrei. Ein paar Tropfen genügen, und nach der Lernzeit ist der Duft unkompliziert wieder weg.
Ein Diffuser beduftet dagegen den ganzen Raum gleichmäßig. Für einen einzelnen Schreibtisch ist das mehr als nötig. Sinnvoll wird er dort, wo es um den Raum als Ganzes geht – und das ist bei mir eher das Thema Entspannung als das Thema Lernen.
Es geht auch nicht darum, möglichst viele Öle einzusetzen. Im Gegenteil: Wenn Duft Teil eines Lernrituals werden soll, ist die Wiederholung desselben Duftes der entscheidende Punkt.
Ätherische Öle bei Kindern: Alter, Qualität und Dosierung
So gerne ich mit ätherischen Ölen arbeite: Es sind hochkonzentrierte Pflanzenprodukte, nicht nur „ein bisschen Pflanzenduft". Bei Kindern gehört deshalb sorgfältig ausgewählt.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass Säuglinge und Kleinkinder empfindlicher reagieren als Erwachsene. Bei Kindern unter drei Jahren ist laut BfR besondere Vorsicht bei Kampfer sowie bei Eukalyptus- und Pfefferminzöl bzw. Menthol geboten: Schon geringe Mengen können bei Säuglingen und Kleinkindern schwerwiegende Reaktionen auslösen. Diese Öle gehören nie ins Gesicht oder in die Nähe der Nase. Ich persönlich wende mentholhaltige Öle eher erst bei Kindern über sechs Jahren an oder nur stark verdünnt und niemals direkt im Gesicht.
Weitere Sicherheitshinweise:
Ätherische Öle außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
Innerlich eingenommen oder unverdünnt auf die Haut aufgetragen haben sie in einer Lernroutine nichts zu suchen.
Bei der Raumbeduftung sparsam beginnen, regelmäßig lüften und auf das Kind achten.
Kopfschmerzen, Unwohlsein oder eine deutliche Abneigung sind kein Zeichen dafür, dass man noch die richtige Mischung finden muss. Dann passt dieser Duft nicht – oder diese Form der Beduftung.
Bei Asthma, Allergien, bestehenden Erkrankungen oder Unsicherheit gehört die individuelle Situation berücksichtigt und im Zweifel medizinischer oder entsprechend qualifizierter fachlicher Rat von einem Aromaberater eingeholt. (eine Aromaberatung ersetzt aber in keiner Weise eine ärztliche Behandlung)
Kurz zusammengefasst
Öl | Wofür es in Frage kommt | Worauf achten |
Pfefferminze | Wachheit, wenn Müdigkeit das Problem ist | Nicht bei kleinen Kindern; Menthol. Sehr sparsam dosieren |
Zitrone | Frischer Einstieg, Übergang in die Lernzeit | Auf der Haut phototoxisch – in der Raumluft unproblematisch |
Rosmarin | Lernphasen; einzige Studie mit Schulkindern | Nur Sorte „Cineol", nicht die campherreiche spanische Variante |
Lavendel fein | Wenn Unruhe oder Nervosität im Weg stehen | Ruhiger heißt aber nicht automatisch aufnahmefähiger |
Begleiter statt Wundermittel
Ich liebe ätherische Öle, weil sie sich auf so viele Arten in den Alltag einbauen lassen und uns auf viele Weisen unterstützen können. Umso mehr störe ich mich daran, wenn daraus aber übertriebene Versprechen werden.
Ein angenehmer Duft kann eine Atmosphäre verändern. Er kann frisch oder beruhigend wirken, ein Ritual begleiten und sich mit einer Situation verbinden. Die Forschung gibt dazu brauchbare Hinweise: Bei Pfefferminze wurden Veränderungen von Wachheit und Gedächtnis beobachtet, zu Rosmarin gibt es eine kleine Untersuchung mit Schulkindern, und aus der Forschung zum kontextabhängigen Gedächtnis wissen wir, dass Gerüche als Erinnerungskontext eine Rolle spielen können.
Das macht Duft zu einem guten Begleiter beim Lernen. Aber eben zu einem Begleiter. Genug Schlaf, Bewegung, Pausen, eine passende Lerntechnik und eine angenehme Lernumgebung kann auch das beste ätherische Öl nicht ersetzen.
Vielleicht liegt darin der sinnvollste Umgang damit: Wir erwarten vom Duft nicht, dass er für uns lernt. Wir nutzen ihn, um einen Rahmen zu schaffen, in dem Lernen leichter fällt.
Manchmal ist Konzentration auch gar nicht das Problem. Manche Kinder kommen heim und können einfach nicht abschalten: müde und gleichzeitig aufgedreht, gereizt, noch voller Eindrücke vom Tag. Darum geht es im zweiten Teil dieser Reihe: Wenn das Kind nach der Schule nicht runterkommt – kleine Rituale für den Übergang vom Schul- in den Familienalltag.
Wie ist das bei euch – arbeitet ihr beim Lernen schon mit Duft, oder ist das heute das erste Mal, dass du darüber nachdenkst? Schreib mir gern in die Kommentare!
Bis bald und liebe Grüße, dein Christian
Häufige Fragen aus meiner Praxis
Welches ätherische Öl eignet sich für Kinder beim Lernen?
Das hängt vom Alter ab, von der Situation und davon, welchen Duft das Kind mag. Pfefferminze wird meist als frisch und wachmachend beschrieben; zu Rosmarin gibt es eine kleine Untersuchung mit 40 Schulkindern, in der bei mehreren Arbeitsgedächtnisaufgaben bessere Ergebnisse beobachtet wurden; Zitrusdüfte halten die Lernumgebung frisch und werden fast immer gemocht. Ein einzelnes Öl kann Konzentration aber nicht herstellen, sie allerdings unterstützen.
Ab welchem Alter können ätherische Öle bei Kindern verwendet werden?
Pauschal lässt sich das nicht sagen, weil sich Zusammensetzung, Konzentration und Anwendung stark unterscheiden. Das BfR warnt besonders bei Säuglingen und Kleinkindern und nennt Kampfer und Menthol als problematische Bestandteile; bei Kindern unter drei Jahren ist zusätzlich bei Eukalyptus- und Pfefferminzöl besondere Vorsicht geboten. Maßgeblich sind immer das konkrete Öl und die Altersangaben des Herstellers.
Wie stark sollte der Lernplatz beduftet werden?
Weniger ist mehr. Für einen einzelnen Lernplatz genügt oft eine dezente, lokale Beduftung über einen Duftstein. Der Duft soll angenehm wahrnehmbar sein, den Raum aber nicht dominieren – und regelmäßiges Lüften gehört dazu. Bei Kopfschmerzen, Unwohlsein oder deutlicher Abneigung wird die Beduftung beendet. Man sollte besonders darauf achten ausschließlich 100% natürliche, ätherische Öle zu verwenden.
Helfen ätherische Öle bei ADHS oder einer Konzentrationsstörung?
Ätherische Öle ersetzen weder Diagnostik noch Behandlung von ADHS oder anderen medizinisch relevanten Konzentrationsproblemen. Eine angenehme Beduftung kann Teil eines Lernrituals sein – eine bestehende Aufmerksamkeitsstörung sollte aber nicht selbst behandelt werden. Diese Frage gehört medizinisch mit einem Arzt/einer Ärztin abgeklärt. Nach einer genauen Abklärung können aber ätherische Öle unterstützend eingesetzt werden.
Quellen und weiterführende Literatur
Moss M, Hewitt S, Moss L, Wesnes K. Modulation of cognitive performance and mood by aromas of peppermint and ylang-ylang. International Journal of Neuroscience. 2008;118(1):59–77. Zur Studie
Nishi R, Sagiyama K, Fukumoto T, Amitani H, Asakawa A. Heterogeneity in the Study of Peppermint in Aromatherapy on Cognition and Attention: A Critical Scoping Review. Complementary Medicine Research. 2025;32(3):224–232. Zur Übersichtsarbeit
Moss M, Earl V, Moss L, Heffernan T. Any Sense in Classroom Scents? Aroma of Rosemary Essential Oil Significantly Improves Cognition in Young School Children. Advances in Chemical Engineering and Science. 2017;7(4):450–463. Zur Studie
Pointer SC, Bond NW. Context-dependent memory: colour versus odour. Chemical Senses. 1998;23(3):359–362. Zur Studie
Sorokowska A, Nord M, Stefańczyk MM, Larsson M. Odor-based context-dependent memory: influence of olfactory cues on declarative and nondeclarative memory indices. Learning & Memory. 2022;29(5):136–141. Zur Studie
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Ätherische Öle: Duftende Wirkungen mit Einschränkungen. Stand 02.09.2026. Zur BfR-Seite
🌱 Transparenzhinweis
Einige Links in diesem Beitrag sind Affiliate-Links zu meinem Partner feeling. Wenn du über einen dieser Links bestellst, erhalte ich eine kleine Provision und du unterstützt meine Arbeit. Für dich ändert sich am Preis nichts. Ich empfehle Produkte, die ich fachlich sinnvoll finde und selbst verwende bzw. mit denen ich aus meiner Arbeit mit ätherischen Ölen vertraut bin.





Kommentare